04
Nov 12

Jupiter 42 – 12 Volt Selbstbau Akkubox für den Feldeinsatz

“Jupiter 42″ 12 Volt Selbstbau Akkubox für den Feldeinsatz

Stundenlang im Feld um viele Photonen zu sammeln, das “daily business” eines Amateurastronomen. Keine Steckdose weit und breit am Beobachtungsplatz auf dem Berg? Nur den Powertank mit einem tief entladenen, vertrockneten Akku dabei? Da kommt Freude auf! Das war der Anstoß vor einem Jahr das Projekt Akkubox zu starten.

Viel recherchiert, was es so am Markt gibt. Fertige Powertanks für den PKW-Bedarf? Ungeeignet! Einen solo Nassakku einfach so verwenden, mit Batterieklemmen und 12V Steckdosen? Wenn mehrere Geräte, wie Montierung, DSLR Kamera, Autoguider und Taukappenheizung versorgt werden wollen wird das schnell zum Rumgewurschtel. Ja es gibt auch professionellere Powertanks, z.B. von Geoptik – wäre aber langweilig, die einfach zu kaufen und dann vielleicht mit Funktionen die nicht den eigenen Anforderungen entsprechen!?

Also daher nachgedacht, andere Produkte analysiert, Teile recherchiert und Anforderungen zusammengeschrieben. Online zusammengeshoppt und ein ganzes Wochenende gebastelt. Dann im Feld getestet und getunt, z.B. die LEDs der Kippschalter etwas gedimmt und fertig! Insgesamt zwar circa gleichpreisig wie zum Beispiel das Geoptik Produkt, aber dafür modularer aufgebaut und nur mit den Funktionen, die meinen Anforderungen entsprechen.

Im Feldeinsatz hat sich “Jupiter 42” bis jetzt gut bewährt. Für den Nachbau habe ich eine kleine Doku erstellt. Auf Anfrage schicke ich gerne eine Stückliste per EMail zu. Der Nachbau erfolgt auf eigene Gefahr. Ich übernehme keine Haftung. Diese Beschreibung darf unter Einhaltung der Creative Commons Lizenz “Namensnennung Nicht Kommerzielle Nutzung” verwendet werden.

Dokumentation als PDF File (2 MB)

Viel Spass beim Nachbau. Ich freue mich auf Feedback und Vorschläge zur Verbesserung.

 


16
Nov 11

Vingt mille lieues sous les mers

Wiener Konzerthaus. Großer Saal. (c) Michael Bechinie 2011 Wiener Konzerthaus. Großer Saal. (c) Michael Bechinie 2011

Heute hat Wolfgang Mitterer in guter Kapitän Nemo Manier mit seiner Nautilus den Großen Saal des Konzerthauses mehrfach durchpflügt. Getaucht in blau-violettes Licht erstrahlte die Orgelempore als Sparringpartner eines virtuosen Orgelsolisten.

Den Spieltisch hat Mitterer zur Kommandozentrale umgebaut,  von der er aus die Reise durch den Tiefseekosmos leitete. Die Tour de Force führte zu den seltsamsten Geschöpfen und unmöglichsten Orten die der Kosmos zu bieten hat – Tiefseeangler auf LSD, funkelnde Kristallpaläste, transformierte Riesenkraken, interstellare Staubwolken, dysproside Lavaströme, feinhäutige Lichtwesen, fusile Methanseen, allerlei Napalmgetier, revoltierenden Planetaria, Enzymcluster um nur einige zu nennen. Selbst die pfeilschnellen Angriffe biokybernetischer Schützenpanzer und autopoietischer Drohnen aus den tiefsten Abgründen konnten der Nautilus nichts anhaben und steigerten im Gegenzug nur den Willen des Kapitäns mit allen Künsten eines Zeittonkriegers das Schiff heil aus der apokalyptischen Szenerie  zu bringen. Rasseln, Rauschen, Rütteln, Zischen, Lispeln, Dröhnen, Pfeifen, Ächzen, Klingen, Stöhnen – Register die die Orgel selten zieht.

Eine Reise mit Wolfgang Mitterer hat mehr von “Fear and Loathing in Las Vegas” als von “Das Traumschiff”. Stornobuchungen eingerechnet – Passagieren stehen Rettungsluken zur Verfügung. Für den Libertin werden Klänge zu Farbpaletten, bekommen Gefühle Raumkoordinaten, nehmen Intervalle Gestalt an und Geräusche werden zu Gerüchen. Die Ordnung der Zahlen bricht, der Raum mutiert zu einem einzigen Resonanzkörper, wird zum Instrument.

Nichts für Katatoniker, Alles für Synästhetiker.

– zu Wolfgang Mitterers “free radio” Orgel solo und electronics, 16.11.11, Großer Saal Wiener Konzerthaus –

Weitere Info: Beitrag “Wien Modern 2011. Wolfgang Mitterers freies Radio.” am 24.11.2011 um 23:03 auf Oe1 in Zeit-Ton


09
Nov 11

Mary Shelley auf Condorschwingen

Musikverein. Großer Saal (c) Michael Bechinie 2011

Der Trickster der zeitgenössischen Musik in Österreich, Wolfgang Mitterer, hat im Rahmen von Wien Modern 2011  für das Tonkünstler Orchester Niederösterreich ein Werk geschrieben.

Mitterer über das Hören seiner Musik: “[Und] weil jeder Mensch unterschiedlich ist, wird jede und jeder das Stück auch nicht gleich hören. Darum gebe ich auch nichts vor, was in Richtung <Botschaft> geht. Das entscheiden die Hörer für sich selbst.” Mitterer greift damit Gedanken des Konstruktivismus auf, der in der Kommunikation die Beziehung von Ursache und Wirkung aufhebt oder zumindest relativiert. Ende und Anfang werden gleichwertig, als Ausgangspunkte einer wechselseitigen, nicht trivialen Beziehung zwischen Sender und Empfänger. Die Empfindungen des Hörers, der Hörerin stehen somit mit den jeweilige Vorgeschichten in Resonanz.

Als ausgebildeter Organist setzt Mitterer das Orchester ein wie eine Orgel. Ein gigantischer Spieltisch von dem aus er das Windwerk, die Register, die Koppeln, das Schwellwerk, den Tremulant und allerlei Spielhilfen traktiert. Mitterer schafft auch das Unmögliche, die “Orchester Orgel” mehrfach in einem Stück umzudisponieren.

Obwohl Mitterer eine Gefahr darin sieht Melodiöses zu schreiben weil “man unweigerlich sofort in einer Art Filmmusik landet”, phantasierte sich mein Gehirn so manches Bild herauf, durchaus filmisch. Schwebende Salamander wechseln ab mit schlingernden Monolithen, während aus der Mitte ein scharfes, metallisches Glühen ertönt, wie es nur ein auf der Wasseroberfläche tanzendes Natriumkorn erzeugen kann, das im nächsten Moment von schneidend, weißem Phosphor verbrannt wird, dessen beißender Rauch in einen rückwärts fliegenden Möwenschwarm mutiert der sich mit Tonfetzen des Stan Kenton Orchesters mischt in die John Zorn ein eruptives Cut Up Solo hineinschwindelt, wobei sich Strukturen der Dimension 10E-5 mit solchen der Dimension 10E5 in eingefrorener Hochgeschwindigkeit überblenden, die  Tempelwächter, Seelenräuber und Pulsare magisch anziehen zu scheinen und letztendlich die Hörhaare bis zum Anschlag auslenken, in Momenten der Nahezustille ausschwingen und die Wirkung so zur Ursache machen.

— zu Wolfgang Mitterers “raetselhaft” für Orchester und Elektronik, 08.11.11, Großer Saal des Musikverein Wien, Tonkünstler Orchester Niederösterreich —

Die Zitate von Wolfgang Mitterer sind dem Programmheft entnommen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Mitterer